cookieChoices = {}; Episode #277: Das Biest (La Bête, F 1975) & Bone Tomahawk (USA 2015)

Freitag, 5. Oktober 2018

Episode #277: Das Biest (La Bête, F 1975) & Bone Tomahawk (USA 2015)

"Ich weiß nicht, warum ich mir das antue."

So oder so ähnlich raunte es seitens Daniel durch die digitale Leitung, bevor er und Patrick die Aufnahme ihres Filmgesprächs zu Das Biest (La Bête, 1975) begannen. Aber was genau brachte Herrn Gramsch so aus der Fassung? Und was ließ die Liebe des ollen Lohmis zu Walerian Borowczyks explizitem Monstertiersexhorrorklassiker in so kurzer Zeit deutlich schmelzen? (Spoiler: Er mag den Film dennoch!) Und warum ist Craig S. Zahlers gefeierter Bone Tomahawk (2015) zu gleichen Teilen grandios und möglicherweise komplett bösartig? Nicht nur die Filme in dieser Woche sind ziemlich erwachsen und kontrovers - die Rezension ist es ebenso. Viel Spaß!

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Timecodes:
  • 00:01:20 - 00:31:00 - Kritik Das Biest (Walerian Borowczyk, 1975)
  • 00:31:00 - 01:16:25 (Ende) Kritik Bone Tomahawk (Craig S. Zahler, 2015)

Podcast abspielen:


Podcast Download: Episode 277.mp3 (ca. 60 MB)

Sirpa Lane als Rumilda in LA BÊTE (1975) von Walerian Borowczyk. Quelle: Posterdetail Argos Films

Kommentare:

  1. Teil 1
    Nach dem ich gestern Abend dieser Besprechung lauschte, möchte ich nun doch einmal widersprechend einhaken und meine eigene Sichtweise dem genannten Aspekt eines unreflektierten Rassismus in 'Bone Tomahawk' entgegenstellen. Eine kleine Warnung an potentielle Mitleser: Spoiler voraus.

    ***

    Zum einen denke ich, dass der Charakter des John Brooder bereits einen Kommentar an sich darstellt.
    Der geschniegelte und unerträglich mit der eigenen Menschenverachtung prahlende Kriegsverbrecher, mit dem die Helden einen faustischen Pakt eingehen müssen, um zu überleben.
    Brooder kommt geleckt und geschniegelt daher. Strahlend weiß wie ein hohler Zahn, der innerlich von Fäulnis zerfressen ist und in dessen Leere die entzündeten Nerven pochen.
    Seine Provokationen wirken bisweilen wie eine Mischung aus zynischer Lektion für die anderen und latentem Todeswunsch. Als wolle er einen der 'guten Menschen' so weit reizen, dass dieser für einen kurzen Moment zu einem Spiegelbild seiner selbst wird, und ihn endlich erlöst. Ein nächtlicher Wegelagerer ist ihm dafür natürlich nicht gut genug und wird ohne Wimpernzucken niedergeschossen.
    Schließlich aber stürzt Brooder sich mit einer Vehemenz und aus dem Nichts heraus in einen Kamikazetod vor dem Tor der Troglodyten, welcher meiner Meinung nach seinen Lebensüberdruss und seine inneren Gewissensqualen beinahe allzu plump verdeutlichen soll.
    An Brooder ist nichts positiv und auch wenn er die Gruppe vor Räubern rettet, hat man danach das Gefühl, sich waschen zu müssen. Ich denke, hier muss man dem vielzitierten, geneigten Zuschauer schon eine entsprechend gefestigte Persönlichkeit unterstellen, um diese Figur als das mephistophelische, in dieser übersteigerten Ausnahmesituation notwendige Übel zu begreifen, welches sie darstellen soll, und sie nicht zu glorifizieren.
    Schießwütige und rassistische Hillbillies würden ihn wohl zugegebenermaßen feiern. Aber irgendwie glaube ich nicht, dass 'Bone Tomahawk' für dieses Publikum gemacht ist.

    Zu den 'Troglodyten'.
    Bei der namentlichen Einführung dieser Antagonisten durch den indigenen Professor antwortet dieser sowohl in der englischen als auch in der deutschen Synchronfassung auf die Frage, wie diese Höhlenmenschen aussähen: 'Männer wie sie würden sie für Indianer halten, obwohl sie etwas ganz anderes sind' und betont, dass keiner der Stämme etwas mit ihnen zu tun hat und sie gleichsam verhasst und gefürchtet sind.
    Der Kommentar zu dem Umstand, dass weiterhin zum Teil stumpf von 'Indianern' geredet wird, spiegelt sich im Minenspiel besagten Professors wider, welcher die Ignoranz der Weißen stoisch aber mit deutlicher Verbitterung zur Kenntnis nehmen muss.
    Das ist zugegebenermaßen recht subtil, fügt sich aber in die realistische Anmutung, insbesondere dieser Kammerspielartigen Szene ein, welche durch eine ausufernde Exposition der unheimlichen Bedrohung zerstört werden würde. Auch wird hiermit der, in dieser Epoche und Situation höchstwahrscheinlichen Geisteshaltung Rechnung getragen, die sich, in ihrem gesellschaftlich getragenen Rassismus, um keine Differenzierung einer diffusen Gruppe von Gegnern bemüht.
    Da ein solches Denken aktuell wieder auf dem Vormarsch zu sein scheint (vermutlich nie überwunden war) kann einem das im Film durchaus sauer aufstoßen, sollte jedoch nicht verhindern, die damit verbundene Subtilität zu übersehen.

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  2. Teil 2

    Meiner Meinung nach erinnern die Troglodyten nicht so sehr an die Morlocks, sondern sind eine, bereits in Plagiatsgefilden räubernde Wiederbelebung der Wendols aus 'Der 13te Krieger'. Bei diesen handelt es sich, was im zugrunde liegenden Roman noch deutlicher wird, um einen, in Isolation überlebenden Stamm kannibalischer Urmenschen, die aggressiv ihr Territorium verteidigen und bisweilen ausziehen, um Beute unter den Menschen zu machen.
    Gleiches trifft in 'Bone Tomahawk' zu, bedient also das Genre der sogenannten 'Lost Race' wie man es bereits bei Edgar Rice Burroughs und Henry Rider Haggard findet und welches in gewisser Weise auch noch den derbsten Auswüchsen des Backwood-Slashers zugrunde liegt.
    Hier wie dort geht es um die bewusste Entmenschlichung einer bestimmten, überschaubaren Gruppe durch deren selbstauferlegte, atavistische Isolation, mentale wie kulturelle Degeneration und sadistische Aggression, welche diese nicht nur zur archaischen Bedrohung macht, sondern den Protagonisten somit auch zu entsprechenden Gegenmaßnahmen berechtigen soll.

    In 'Der 13te Krieger' wird dieses drastische Konzept durch die Epik einer fantasievollen Heldenreise, unterlegt mit entsprechender Musik und gebundener Sprache gebrochen, wobei der Film sich in seinen Gewaltspitzen nicht gerade zimperlich zeigt. In 'Bone Tomahawk' wird es nochmals auf die Spitze getrieben, nicht nur durch die unmittelbare Kameraführung und die beinahe dokumentarische Anmutung der Inszenierung, sondern auch durch Gewaltexzesse, die im Territorium eines 'Cannibal Holocaust' wildern, was die ganze Sache wesentlich schwerer ertragbar macht.
    Und wo in 'Der 13te Krieger' der Gegner anhand der 'Mutter der Wendols' identifiziert wird – kleinen, paläolithischen Frauenfiguren nachbildeten Steinfetischen – finden wir diese 'Mütter' auch in 'Bone Tomahawk', wenn die Überlebenden aus der Höhle fliehen. Allerdings nicht mehr als üppige Steinstatuen, sondern als verstümmelte, sich blind und stumm in ihren Fesseln windende, pralle Geburtsdrohnen, welche in ihrer Gemeinschaft offenbar keine Daseinsberechtigung haben als jene, den Nachwuchs des Stammes auszubrüten. Eine kurze Szene, die in ihrer Perfidie kaum zu überbieten ist, wenn es darum geht, den gerade niedergemachten Gegner nochmals aller Menschlichkeit und Mitleidsberechtigung zu berauben und gleichzeitig ein garstiges Augenzwinkern in Richtung des Banderas-Films, frei nach dem Motto: Ihr deutet an, wir führen aus.

    All dies ist definitiv verstörend, brutal und mindestens unangenehm anzuschauen. Jedoch denke ich, dass der Film bei aller Ambivalenz die Klippen des Rassismus zumindest recht sicher umschifft und entsprechende Charakterzüge seiner Protagonisten allenfalls dazu nutzt, um deren Hilflosigkeit zu verdeutlichen, eine Bedrohung jenseits ihrer beschränkten Bildung zu begreifen und den Zuschauer nur noch mehr zu verunsichern.

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