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Montag, 30. Juli 2012

Hard Ticket to Hawaii (USA 1987) Review

Andy Sidaris versteht sein Publikum wie kein Zweiter. Halbnackte Girls, vorzugsweise ehemalige Playboy-Centerfolds, prügeln sich leicht bekleidet mit fiesen Drogenhändlern unter Einsatz jeder denkbaren Stich- und Schusswaffe herum. Dieser Satz beschreibt nicht nur den Plot von Sidaris' 1987er Meisterwerk Hard Ticket to Hawaii, sondern so ziemlich jeden seiner zwölf DTV-Actionstreifen, die er im Laufe seiner kurzen, aber illustren Karriere drehte. Und für alle gilt: shot on Location in Hawaii!


Donna Speir (US-Playboy Ausgabe April 1984) und Hope Marie Carlton (Juli 1985) sind ehemalige Agentinnen der Drogenbehörde, die nun auf Hawaii ihre Frührente als Betreiber einer Spedition für kleine Frachtladungen genießen und gelegentlich mit ihrem kleinen Propellerflugzeug junge Hochzeitspaare zu entlegenen Stränden fliegen. Eines Tages aber landet eine genetisch mutierte Killerschlange versehentlich in ihrem Laderaum, die bei einem Zwischenstopp entkommen kann und nun mehr oder weniger unschuldige Hawaiianer dezimiert. Zudem legen sie sich eher unfreiwillig mit fiesen Drogendealern an, welche die beiden von nun an jagen. Um der nicht allzu komplexen Handlung noch ein bisschen mehr Schwung zu geben, verschlägt es zwei virile Haudegen samt Pferdeschwanz und eingeöltem Bizeps auch auf die Insel. Außerdem lernen wir einen zynischen Hollywoodmogul kennen (gespielt von Meister Sidaris selbst) und beobachten Cynthia Brimhall (Oktober 1985) dabei, wir ihr idyllisch gelegenes Restaurant von inkompetentem Personal (weibliche Gäste werden bevorzugt mit Kommentaren über die Qualität ihres Hinterteils oder der Möpse begrüßt) zugrunde gerichtet wird.

Quelle: www.andysidaris.com

Hard Ticket to Hawaii ist herrlich klassisches Videothekenfutter der 80er Jahre mit einer sehr persönlichen Note. Während die meisten DTV-Filme dieser Ära und heutzutage mit beinahe verbissener Ernsthaftigkeit ihre dünnen Stories erzählen, sind Andy Sidaris' Werke vor allem eines: ein großer SPAß. Dies soll nicht heißen, dass auch dieser Film eine dieser selbstironischen Actionkomödien ist, in denen uns der Regisseur quasi in jeder Szene mehr oder weniger eindeutig mit einem wissenden "Ja, ich weiß, dass das Trash ist" zuzwinkert und der Zuschauer den Film nur mit ordentlich ironischer Distanz zum Geschehen auf dem TV-Bildschirm ertragen kein. Nein, das Vergnügen rührt daher, dass Hard Ticket to Hawaii vollkommen unprätentiös mit seiner Geschichte und den Darstellern umgeht; sich nicht zu fein ist, uns eine wahnwitzige Action- oder Nacktszene zu schenken, weil die letzte schon mindestens fünf Minuten in der Vergangenheit liegt. Ob die Handlung eine solche bedingt, spielt keine Rolle. Sidaris weiß, was die Zuschauer seiner Filme erwarten und gibt ihnen genau das.


Es folgen ein paar Momentaufnahmen aus Hard Ticket to Hawaii, um euch darzulegen, was ich meine (kleine Spoiler... aber wird sind ja nicht so streng, oder?):

  • In einer der ersten Szenen des Films beobachten wir zwei hawaiianische Cops auf einer Routinepatrouille. Sie erwarten nichts Böses. Routine eben. Dum-di-dum. Im Laufe des kurzen Gesprächs lässt der ältere Cop fallen, dass er nur noch eine Woche bis zur Pensionierung habe und sich auf die Ruhe und den Müßiggang des Alters freut. Und sein jüngerer Kollege ist erst frisch der Polizeischule entsprungen, möchte noch viel von seinem Mentor lernen und irgendwann einmal der beste Cop auf Hawaii werden. Fünf Sekunden, nachdem wir diese liebevoll vorgestellten Charaktere kennenlernen durften (hach!), werden sie von Drogendealern an Bäumen aufgehangen und mit einer Schrotflinte erschossen.

  • Nachdem unsere beiden Playboy-Mädels eben mal eine Killerschlange entwischen ließen und ein Drogensyndikat gegen sich aufgehetzt haben, müssen sie sich erst einmal Gedanken machen, wie sie denn nun weiter vorgehen. Schließlich ist die Kacke ordentlich am Dampfen. Vorschlag von Donna: "Let’s unload the plane and then go hit the hot tub. That’s where I do my best thinking." Keine weiteren Worte.

  • Einer der größten Spaßfaktoren im klassischen Actionfilm sind ja die Handlanger des Oberbösewichts. Hard Ticket to Hawaii hat eine ganze Armee cooler Henchmen, nicht zuletzt das masochistische Arschloch "Shades", der versteckt hinter einer verspiegelten Sonnenbrille bevorzugt wehrlose Polizisten erschießt und liebend gerne Frisbee spielt. Welch Ironie, dass er später sein Leben verliert im Duell gegen einen unserer Helden, der ihn mit einem mit Rasierklingen gespickten Frisbee einen Kopf kürzer macht und dabei gleich noch ein paar Finger mitnimmt. Und wer könnte den Tod des Skateboard-Todesschützen mit einem Faible für Gummipuppen vergessen...?


Summa summarum: ein Riesenspaß für kleine und große Jungs. Sex and Violence ...and all in good fun. Mehr Infos zu Andy Sidaris und seinen Filmen findet ihr unter Andy Sidaris Dot ComHard Ticket to Hawaii und elf weitere (überwiegend) grandiose Actionknaller findet ihr auch im Girls, Guns and G-Strings DVD Set. Glaubt mir, das sind die lohnendsten paar Dollar, die ihr jemals für eine Filmsammlung ausgegeben habt. Kauft das DVD-Set jetzt und dankt mir später unter patrick@bahnhofskino.com.*

Gute Nacht!

* Nein, ich verdiene weder irgendwas mit Verweis auf die Website des Regisseurs (R.I.P.) noch durch den Amazon-Link. Ich bin einfach nur ein netter Kerl, verdammt!

Donnerstag, 26. Juli 2012

Podcast #8 - The Dark Knight Rises (USA 2012) & Batman hält die Welt in Atem (USA 1966)

Gibt es einen Film in diesem Sommer, der sehnsüchtiger erwartet wurde als The Dark Knight Rises, Christopher Nolans bombastischer Abschluss (or is it?) seiner Batman-Trilogie? Wir beugen uns in dieser Woche dem unbarmherzigen Mainstream und Wünschen von Millionen Kinogängern und sprechen einen Batman-Film, in dem der Titelheld kaum vorkommt. Full disclosure: wir sind eher weniger begeistert. Wir erörtern am 1966er Batman: The Movie außerdem die Frage, was denn ein guter Superheldenfilm so braucht und ob Adam West ein besserer Batman ist als Christian Bale. Oder entpuppen wir uns als Fans von Michael Keaton? Oder ist gar George Clooney der ultimative fledermäusige Superheld? Antworten darauf und noch viel mehr gibt es in unserem eeeeepischen Podcast.

Geschmack gefunden am Bahnhofskino Podcast? Hatemails, Liebesbriefe und sonstigen Nonsens bitte an patrick@bahnhofskino.com mailen. Weitere Folgen findet ihr bei iTunes oder abonniert den Feed auf www.bahnhofskino.com. Ansonsten bitte gerne teilen bei Facebook, Twitter, Google+ und Co... wir freuen uns, wenn ihr uns weiter empfehlt. Wie immer gilt: Musik courtesy of Dan-O @DanoSongs.com. Intro music powered by mein Vater. Danke!

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Immer grimmig: Christian Bale in The Dark Knight Rises. Quelle: Warner

Immer bunt, albern und funky: Adam West und Burt Ward als das Dynamische Duo in Batman hält die Welt in Atem (1966). Quelle: 20th Century Fox.

Blu-Rays für den verschnupften Sommer... hust!

Hurra, endlich sind die heißen, sonnigen Tage da! Baggersee, Park, Schwimmbad, ans Meer... egal wohin, Hauptsache raus. Woo-Hooo!!

Zurück zu meiner Wenigkeit: durch eine Erkältung geschwächt und daher erstaunlich unzynischer- und herzlicher- und netterweise möchte ich euch heute einfach ein paar Tipps geben, welche mit cineastischen Genüssen gefüllten Silberscheiben aus heimischer Produktion und aus dem Ausland derzeit empfehlenswert sind. Für all diejenigen unter euch, die meinen Gesundheitszustand teilen, aus anderen Gründen ans Bett gefesselt oder einfach nur lieber die Sonne meiden und ihren Tag im abgedunkelten Kellerloch verbringen im Anschluss ein paar sehr schicke Neuerscheinungen. Wie immer gilt: enjoy!

Repo Man - der Film, der sich jedem normalen Genre verweigert, auf einer brillanten Blu-Ray aus dem Hause Masters of Cinema (UK).

Repo Men (USA 1984)

Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich diesen Film liebe. Das beste Werk von Underground-Auteur Alex Cox mit einem erstaunlich amüsanten Emilio Estevez und der schönsten, zerfurchten Gesichtslandschaft Hollywoods: Harry Dean Stanton. Mit dem Begriff Kultfilm wird leider viel zu oft herumgeschmissen und selbst Streifen damit geadelt, die diesen Titel nicht verdient haben.* Repo Man aber ist DER ultimative Kultfilm der 1980er. Die Masters of Cinema Blu-Ray präsentiert den Film in schönstem hochauflösendem Licht mit amüsant-informativem Bonusmaterial und - Wow! - den Comic-Storyboards des Regisseurs im Booklet. Allein dafür sollte man seine zerkratzte DVD oder abgenudelte VHS-Kassette gegen diese Edition austauschen.

* kürzlich wurde in meiner Anwesenheit Austin Powers (1997) als Kultfilm herbei zitiert - WTF?


Tausendschönchen erstrahlt nun tausend mal so schön wie bisher auf der neuen Blu-Ray von Bildstörung.

Tausendschönchen (CSSR 1966)

Noch so ein schwieriger Film, wenn es darum geht, ihn auf den Punkt zu bringen: surreal-trashige Chickflick-Komödie mit sozialkritischem Einschlag trifft es wohl am Besten. Mit Sicherheit ein Film, den man nur lieben oder hassen kann, denn die beiden Protagonistinnen des Films (Maria und Maria) sind in ihrer selbstverliebt-nervigen Albernheit bestimmt selbst hartgesottenen Cineasten etwas zu viel. Nichtsdestotrotz ein filmhistorisch wertvolles Stück Kino, das jeder gesehen haben sollte. Die Jungs und Mädels von Bildstörung haben sich mit ihrer neuen Blu-Ray von Tausendschönchen [Sedmikrásky] (auch als DVD erhältlich) selbst übertroffen. Neben einem wirklich interessanten Audiokommentar und einem mit etwas unnötig viel akademischem Blabla gefülltem Booklet erscheint der Film auch in einer limitierten Auflage von 300 Stück als Limited Edition mit Soundtrack CD. Leider sehr ohrwurmig, ich kriege die Melodien nicht mehr aus dem Kopf. Aaargh! Und wo wir gerade bei bekloppt nervtütigen Ohrwürmen sind...


Auf Arrow Video (UK) ist nicht nur in Sachen Lucio Fulci und Dario Argento Verlass - das Label hat auch ein Herz für irrsinnige Musicals.

Forbidden Zone (USA 1980)

Vor nicht allzu langer Zeit verstarb die großartige Susan Tyrrell und ich nahm dies zum Anlass, zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen meine Arrow Blu-Ray des Richard Elfman Anarcho-Musicals Forbidden Zone hervor zu kramen und es bei plärrend hoher Lautstärke zu genießen. Weniger sozio-politisch provokant, dafür aber ebenso irre wie Tausendschönchen, kann man den Film immer wieder genießen sofern man keinen allzu großen Wert auf einen nachvollziehbaren Plot legt. Bei all den LSD-inspirierten Bildern, Musicalnummern von Oingo Boingo und den Kipper Kids, gepaart mit einem Ensemble bestehend aus Tyrrell, Danny Elfman, Hervé "Fantasy Island" Villechaize und Joe "Maniac" Spinell würde aber zu viel Handlung auch nur störend wirken.


Eines der vier Wechselcover für The Conformist, die charakteristisch sind für alle Arrow und Arrow Academy DVD und Blu-Ray Veröffentlichungen. Très chic!

Il Conformista - Der große Irrtum (I 1970)

Abschließend noch zwei Arthouse-Klassiker in den weltweit schönsten Edition. Dass Arrow Video nicht nur Trash und Sleaze vollendet auf Blu-Rays packen kann, haben sie schon dutzendfach bewiesen. In ihrer kleinen Reihe Arrow Academy hingegen bringt das Label hingegen immer wieder echte, große Kunst heraus - wie zuletzt Bernardo Bertoluccis Frühwerk Il Conformista - Der große Irrtum. Endlich eine adäquate Möglichkeit, dieses Meisterwerk in makelloser Bildqualität und eingebettet in außergewöhnlich gut produzierte Bonus Features zu genießen.


Über die Auswahl der Filme in der Criterion Collection kann man sich beizeiten streiten - nicht aber über die künstlerische Qualität der Cover. Die Blu-Ray von Belle de Jour macht da keine Ausnahme.

Belle de jour - Schöne des Tages (F 1967)

Einen der schönsten und auch für Otto-Normal-Filmchengucker zugänglichsten Filme von Luis Buñuel wurde endlich mit einer Blu-Ray aus dem Hause Criterion geadelt - der Heimkinoschmiede, die uns bereits hunderte Meisterwerke auf Laserdisc, DVD und in HD geschenkt hat... und alles von Wes Anderson... und zwei Filme von Michael Antichrist Bay! Aber zurück zu Belle de Jour: dieser Klassiker des erotischen, surrealen Kinos mag nicht so abgefahren und innovativ sein wie Der Diskrete Charme der Bourgeoisie (mein liebstes Buñuel-Werk), ist aber ebenso sehenswert. Nicht zuletzt für Catherine Deneuves brillante Darstellung (die beste ihrer Karriere!) der vom Hausfrauendasein gelangweilten Protagonisten Séverine, die sich auf der Suche nach Abenteuern in einen Nebenjob in einem Puff flüchtet. Akademisch wertvolle und überwiegend sehr unterhaltsame Bonus Features inklusive. Der Import lohnt - trotz des für uns Europäer schlechten Dollarkurses.

Dienstag, 17. Juli 2012

Podcast #7 - The Fantastic Four (D/USA 1994) & Turkish Star Wars (TR 1982)

Es gibt wenige Filme, die es in Sachen hirnzerfressender Grauenhaftigkeit mit Manos - The Hands of Fate aufnehmen können. Turkish Star Wars AKA Der Mann, der die Welt rettete (OT: Dünyayı Kurtaran Adam,1982) ist ein solches Werk. Daniel und meine masochistische Wenigkeit widmen uns im dieswöchigen Podcast aber zuvor einem weiteren Klassiker des missachteten Kinos: Roger Cormans und Bernd Eichingers zu Unrecht versteckte Low Budget-Version von Die Fantastischen Vier (1994). Dehnt eure Gliedmaßen, zieht eure Pappmachémasken an und macht es euch gemütlich - es werden wunderbar wahnwitzige 70 Minuten.

Feedback zu dieser und allen vergangenen und zukünftigen Folgen bitte an patrick@bahnhofskino.com. Ansonsten bitte gerne teilen bei Facebook, Twitter, Google+ und Co... und drückt uns die Daumen, dass jetzt alle technischen Probleme behoben sind und unser Feed endlich bald bei iTunes landet. Und wie immer: Vielen Dank für das musikalische Gedudel an Dan-O @DanoSongs.com!

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Samstag, 14. Juli 2012

Bad Boy Bubby (AUS 1993) DVD Review

Was macht eigentlich Rolf de Heer? Da rotzt uns der australisch-niederländische Filmemacher anfang der 90er - in dieser Blütezeit des Independentfilms - einen der schönsten, dreckigsten und berührendsten Streifen aller Zeiten hin, gewinnt mal eben in Venedig einen Goldenen Löwen, und verschwindet danach (fast) in der Bedeutungslosigkeit. Zwar treibt er sich immer noch auf den bedeutendsten Filmfestivals der Erde herum und sammelt fleißig Preise ein (zuletzt für sein großartiges Abenteuerdrama Ten Canoes), doch hat keines seiner Werke je den Kultstatus und emotional auszehrende Qualität seines Debütfilms Bad Boy Bubby erreicht.

Quelle: www.bildstoerung.tv

Die Ausgangssituation des Films ist so simpel wie faszinierend wie erschreckend wie pervers: Bubby (Nicholas Hope), ein Mann um die 30 Jahren, lebt mit seiner Mutter (Claire Benito) in einem heruntergekommenen Ein-Zimmer-Appartment. Bubby hat die vier Räume seines Heims (i.e. Gefängnis) nie verlassen. Indem sie eine Gasmaske vor Verlassen der Wohnung aufzieht und ihrem Sohn regelmäßig im wahrsten Sinne des Wortes den Atem nimmt, suggeriert sie ihm, dass er außerhalb der ihm vertrauten Umgebung ersticken würde. Regelmäßig missbraucht sie Bubby körperlich und psychisch. Noch unerträglicher wird die Situation, als eines Tages ein fremder Mann (Ralph Cotterill) in das verkorkste Leben des ungewöhnlichen Mutter-Sohn-Gespanns tritt, der sich als Bubbys Vater entpuppt. Als die Lage für den Sohn unerträglich und gar lebensbedrohlich wird, gelingt Bubby endlich sein ungewöhnlicher Befreiungsschlag, der ihn in die Freiheit entkommen lässt. Doch erweist es sich als nicht unproblematisch, als erwachsener Mann mit dem Verstand eines Dreijährigen durch die Welt dort draußen zu kommen. Und ist die Welt vorbereitet auf Bubby?

Bad Boy Bubby ist der ultimative Debütfilm: dort, wo ein etablierter Filmemacher aufhören würde, weil es ihm die Grenzen des guten Geschmacks und political correctness verbieten, macht Rolf de Heer einfach weiter. Wo in einem konventionellen Drama alles auf ein Ende hinauslaufen würde, in dem das irre und irrende Mannkind Bubby auf den Pfad der Tugend, Aufklärung und Erlösung finden würde, bleibt der Autor-Regisseur seiner persönlichen Überzeugung und seinem infantilen Protagonisten treu. Friss oder stirb. Die Welt und alle Menschen darin, deren Wege sich mit denen Bubbys kreuzen, müssen sich mit dem Außenseiter auseinandersetzen; ihn ins Herz schließen oder ausspucken. Eine dritte Alternative gibt es nicht, denn Bad Boy Bubby folgt keiner klassischen Erzählstruktur, die uns weismachen will, dass man einen von Geburt an über Jahrzehnte seelisch geschundenen Menschen jemals wieder in gängige gesellschaftliche Normen wird pressen können.

Seine ebenso verstörende wie bewegende Geschichte verpackt de Heer in großartige Cinemascope-Bilder, quasi als visueller Gegenpol zu den überwiegend klaustrophobischen und kargen Schauplätzen des Films. Seine Kamera macht auch aus kleinen Momenten großes Kino und unterstreicht die Isolation und das spätere Chaos, in dem Bubby herum stolpert. Wie ein endlos großes Schlachtfeld wirkt die kleine Gefängniswohnung, nachdem Bubby und seine Eltern dort gewütet und alles auseinander genommen haben. Bedrückend sind die Szenen, in der wir unseren Antihelden dabei beobachten, wie er sich seiner Unfähigkeit bewusst wird, ein geliebtes menschliches Wesen oder Tier vor Trauer, Krankheit oder Tod zu bewahren.


Bis zur finalen Einstellung des Films, die man entweder als sentimental-hoffnungsvollen Ausblick oder als in seiner Überzeichnung bitterbös ironischen Schlusspunkt betrachten kann, versteht weder Bubby die Welt noch verstehen wir Bubby gänzlich. Immer wieder werden amüsante Momente mit großer Tragik gebrochen, folgt auf eine neue Begegnung ein ebenso schneller Abschied. Die Handlung ist episodisch. Sie schlägt Haken, heißt neue Figuren willkommen und reißt Bubby nur Minuten später aus ihren Armen. Einerseits ist dies ein beinahe klassisches Problem von Independentfilmen wie Bad Boy Bubby, der über einen Zeitraum von mehreren Jahren produziert wurde und sich daher nicht den Luxus leisten kann, immer wieder auf die gleichen Darsteller zurück zu greifen. Andererseits kann man den konfusen Aufbau des Plots auch als Abbild von Bubbys Psyche betrachten. Immerhin betrachten wir alles durch seine Augen, weichen ihm niemals von der Seite. Und warum sollte man es dem Zuschauer einfach machen wenn es der titelgebende Protagonist so schwer hat?

Bad Boy Bubby ist uneingeschränkt zu empfehlen für alle am menschlichen Wahnsinn interessierten Filmfreunde, die sich an den teils expliziten Bildern (kein Film für Katzenfreunde!) und kleinen inszenatorischen Schwächen und narrativen Irrwegen nicht stören. Rolf de Heer und seinen furchtlosen Darstellern - und wenn ich sage furchtlos, dann meine ich furchtlos - Film ist ein faszinierendes Psychogramm; eine bitterböse Tragödie und lebensbejahende Komödie zugleich. Nicht jeder wird nach dem ersten Akt des Films noch den Wunsch verspüren, Bubby auf seinem weiteren Weg zu begleiten. Aber alle Mutigen unter euch, die die Reise wagen, wird der Film belohnen.



Die DVD für diese Rezension wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Bildstörung und ist bei Amazon und im gut sortierten Handel erhältlich.

Dienstag, 10. Juli 2012

Podcast #6 - Lieblings-Kindheitsfilme und süß-saure Nostalgie

Was ich euch kürzlich androhte, wird nun grausame akustische Wirklichkeit: Daniel und meine Wenigkeit sprechen in epischer Länge über unsere Kindheitserinnerungen an das Kino, Fernsehen und alles, was die heimische VHS-Sammlung in der 80ern hergab.  Und zu eurem Vergnügen haben wir das Ganze als MP3 für die Nachwelt verewigt. Juhuuu! Highlander, Star Wars, Bud Spencer, Terence Hill, Katastrophenfilme, gute (Disney) und schlechte Trickfilme (In der Arche ist der Wurm drin) - wir thematisieren fast alles, was unsere noch unverdorbenen Kinderseelen damals berührte.

Bei welchem Filmen und Serien trüben sich eure Äuglein in einem Anflug sentimentaler Nostalgie? Und was denkt ihr sonst so über unseren Podcast? Schreibt an patrick@bahnhofskino.com und lasst mich daran teilhaben. Großes MERCI wie immer für Intro, Outro und diverse Musikschnipsel an Dan-O @DanoSongs.com!

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