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Freitag, 20. April 2012

Marvel's THE AVENGERS 3D (2012) - Kritik


The Avengers ist actionlastiges Bombastkino ohne Herz. (aufgepasst: dieser Satz wird in fast identischer Form zum Ende meines Reviews wiederholt) Leider werden meine kritischen Worte aber ungehört verhallen: critic-proof nennt man auf Englisch Filme wie das The Avengers, denn egal welch mäkelnde Worte tausende Schreiberlinge über das neue Marvel-Actionfeuerwerk gedruckt und online verbreiten werden, ein Misserfolg des Streifens von Joss Whedon ist fast ausgeschlossen.

Glaubt man ersten Kritiker- und Publikumsreaktionen, ist The Avengers in den Augen vieler Fans das nächste große Heilsversprechen für den Comicbuch-Film. Denn obwohl wir in den knapp vier Jahren seit Erscheinen von The Dark Knight mit Superhelden-Filmen überschüttet wurden, so hat keiner dieser Film ein derart euphorisches, fast schon fanatisches Echo hervorgerufen wie das Sequel zu Batman Begins.



Meine zurückhaltende Begeisterung verrät es bereits: ich werde kein großer Fan von The Avengers werden, dafür fehlt mir dir Leidenschaft fürs Thema. Ich habe die Marvel-Adaptionen der letzten Jahre nur mit einem halben Auge verfolgt, mochte Iron Man recht gerne und konnte mit dessen Sequel nichts anfangen. Thor habe ich aus reiner Verlegenheit oder Langeweile gesehen, da die Alternativen im Kino zu diesem Zeitpunkt gerade mau waren ...und kann meine Reaktion mit einem „Naja, ganz nett“ zusammenfassen. Captain America sah ich erst vergangenen Monat auf Blu-Ray im Schutze meiner vier Wände und war überrascht, wie unterhaltsam der Streifen war. The Green Lantern, Green Hornet und Green Whatsoever habe ich gar nicht gesehen, spielen aber für diesen Beitrag ohnehin keine Rolle.

Trotz meines mangelnden Enthusiasmus für das Genre steckte in The Avengers aber dennoch meinerseits ein nicht unerhebliches Schippchen Hoffnung, dass es ein großartiger Film werden könnte; quasi ein aus den gesammelten ganz-netts der zuvor genannten Streifen zusammen gepuzzletes großartiges Ganzes. Leider bekam ich nur ein technisch beeindruckendes Durcheinander zu sehen, ein Action- und CGI-Feuerwerk à la Michael Bay, dessen ohrenbetäubender Angriff auf die Sinne mich letztendlich nur ermüdete und genervt auf die Uhr schielen ließ.

"Worauf schießen wir eigentlich? Grüne Leinwände?" - "Shut the fuck up and fuckin' shoot goddamnit!" Quelle: Marvel/Disney

Falls ihr zu den ganz großen Fans der Marvel-Comics gehört, werdet ihr in den nächsten Tagen zahlreiche Rezensionen lesen, in denen euch diverse bombastisch inszenierte Momente, coole Sprüche und ach-so-großartig geschauspielerte nacherzählt werden. Ganz ehrlich: lest das woanders, ich finde es gähnend langweilig. Solch Fanboy-Wahnsinn findet ihr in diesem Blog nur, wenn sich ein Artikel um Sleaze, Trash oder Arthouse-Kino dreht. Zur Verfilmung des Kultcomics The Avengers also nur folgende mehr oder weniger fokussierte Gedankengänge:

  • Was ist dieser Tesserakt? Warum sind Superhelden mal unsterblich und monströs stark, dann wiederum leicht verletzbar? Gibt es etwas, was Tony Stark nicht kann? Kann man einen Superhelden-Einsatz wirklich als Erfolg verbuchen, wenn dabei vermutlich zehntausende Menschen sterben? (Mini-Spoiler: New York muss im Finale SEHR leiden) Und wie kann ich es wagen, die nicht vorhandene Logik eines Actionfilms zu kritisieren? Hmm, vielleicht weil sich durch diesen inkonsequenten Umgang mit der Darstellung des filmischen Universums niemals so etwas wie echte Dramatik und Spannung entwickelt?!

  • Mark Ruffalo spielt David Banner (aka Hulk) als wäre er ein Charakter aus einem Charlie Kaufman-Film: exzentrisch, neurotisch, affektiert. Es ist die beste schauspielerische Leistung in einem Film, in dem außer ihm eigentlich nur Robert Downey Jr. glänzt mit seiner mittlerweile bekannten Eitelkeit und Arroganz als Tony Stark. Keiner der anderen Schauspieler hinterlässt einen bleibenden Eindruck, Gwyneth Paltrow wird in einem winzigen Auftritt zu Beginn des Films verheizt – und darf in der Szene keine Schuhe tragen, um Downey nicht zu überragen. Ich wünschte nur, ich würde Zodiac sehen, um ihn und Ruffalo nicht in einem Spektakel zu verfolgen, in dem ihr Talent im Effektbombast verschwindet. Seufz!

"Verdammt, ich hätte mir keine Glühbirnen in die Sehschlitze schrauben sollen." Quelle: Disney/Marvel

  • Ich mag echte Flammen, aufeinander prallende Autos und beinharte Prügeleien – auf der Kinoleinwand. Vorzugsweise durchgeführt durch erfahrene Pyrotechniker, Stuntleute oder gar ambitionierte Schauspieler selbst. Computeranimierte Charaktere, die sich gegenseitig gegen computeranimierte Gegenstände (in The Avengers vornehmlich mammuthafte Bäume, fette Stahlträger oder hohe Gebäude) kicken, machen mir das Nachempfinden des Schmerzgefühls oder nur einfaches Mitfiebern unmöglich. Bisher dachte ich, die finalen Kämpfe in Iron Man 2 und Ang Lees The Hulk seien das Nervtötendste gewesen, was ich diesbezüglich in Comic-Adaptationen gesehen hätte. The Avengers toppt das ganze noch. Vielleicht ist es nur das Alter, aber ich sehe lieber Gene Hackman dabei zu, wie er in French Connection einem Bösewicht hinterher eilt, als irrsinnigen Effektspektakeln wider Schwerkraft und Logik. In Big-Budget Trash wie Transformers oder Emmerichs Godzilla (würg!) gerade noch verzeihlich, in einer Verfilmung kultisch verehrter Comicbücher mit teils komplexen Charakteren leider nicht.

Mehr kann ich mir an Ergüssen zu Marvel's The Avengers nicht abringen. Ein Spektakel ohne Herz, sauber inszeniert und effekttechnisch beeindruckend. Aber ansonsten Dutzendware im Superhero-Einheitsbrei. 5 out of 10, that's it. Kinostart, sofern noch ihr wissen möchtet: 26. April 2012. Ansonsten: Meh!

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